Rennsemmel wanted | Im Dialog mit Gerd Leder: Querbeet #5

Rennsemmel wanted - Welcher Hund eignet sich eigentlich als Zughund?

 Im Dialog mit Gerd Leder

Große Hunde, kleine Hunde, dicke Hunde, dünne Hunde - bei Camp Canis ist jeder Vierbeiner herzlich willkommen. Hauptsache, Herrchen oder Frauchen rafft sich vom Sofa auf und hat Lust, mit Vollspeed in den Dreck zu hüpfen. Das war es eigentlich schon. Jackpot! Das Abenteuer für Mensch und Hund kann losgehen. 

Doch gerade, wenn man neu in die aufregende Welt des Canicross eintaucht oder ein bisschen Ehrgeiz ins Spiel kommt, steht oft die Frage im Raum: Was kann mein Hund eigentlich bzw. was darf ich ihm zumuten? Zunächst einmal lässt sich die Frage ganz einfach beantworten: Ganz im Sinne von Camp Canis eignet sich jeder Hund zum CaniX, der gesund ist und Freude an der Bewegung hat. „Ich habe bei Rennen schon Parson Russel Terrier gesehen, die andere Teams weit hinter sich gelassen haben“, betont Hundetrainer und Kynologe Gerd Leder. 

 Ursprünglich waren im nordischen Zughundesport jedoch echte Spezialisten gefragt. Rassen, die durch ihre genetischen Voraussetzungen in der Lage waren und sind, Höchstleistungen zu erbringen. Dort weiter zu gehen, wo die meisten anderen aufgeben würden. Rassen wie Siberian Husky, Alaskan Malamute oder Samojede können ultra lange Distanzen bei widrigsten Wetterbedingungen bewältigen. Ihr Energiehaushalt, Pfoten, Fell und Körperbau sind für extreme Bedingungen ausgelegt. 

 Photo: Donna Luettjen Photographie

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Wer heute in Mitteleuropa bei Rennen auf die Mittel- und Kurzdistanzen geht, braucht nicht unbedingt so einen Hund der Extreme. Stattdessen haben sich bei vielen Mushern und Läufern Hunde durchgesetzt, die eine hervorragende physiologische Balance mitbringen. Die weder ein Problem mit moderaten Temperaturen haben, noch zu groß oder zu schwer sind und denen trotzdem nach einigen Kilometern im ziehenden Sprint der Sauerstoff in der Muskulatur nicht ausgeht. „Es geht bei solchen Hunden vor allem um eine bessere Angepasstheit an die hiesigen Ansprüche. Gefragte Distanzen und klimatische Voraussetzungen fallen ebenso darunter wie die Tatsache, dass Zughunde heute meist auch im normalen Alltag ‚funktionieren’ müssen“, gibt Gerd Leder zu bedenken. 

Aus Kreuzungen von nordischen Schlittenhunden mit talentierten Rassen wie Deutsch Kurzhaar oder English Pointer entstanden Hundetypen wie der Skandinavische Hound bzw. der Europäische Schlittenhund. Leistungsorientiert, leistungsfähig und dennoch kompatibel. Entsprechend gefördert, lassen sich solche Hunde hervorragend als Familienhund halten und sind weitgehend unproblematische Alltagsbegleiter. 

 Photo:Donna Luettjen Photographie

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Freude und Ehrgeiz am Canicross bringen jedoch auch Hunde vieler anderer Rassen mit, denen die Zughundearbeit nicht unbedingt in den Genen liegt. „Ein arbeitswilliger Hund, der offen, freundlich und nach vorne orientiert ist, kann beim Training und in Wettbewerben tolle Ergebnisse erzielen. Das ist dann oft nicht nur eine Rasse-, sondern auch eine Typfrage“, so der Fachmann. Die Kräfte, die beim gemeinsamen Laufen auf den Zughund einwirken, sollte man jedoch nicht unterschätzen. Ebenso wie ihre Menschen, können sich auch vorgespannte Hunde schnell übernehmen. 

 Photo: Donna Luettjen Photographie

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Wer langfristig Freude am Sport haben möchte, sollte das Training für sich selbst und für den Vierbeiner daher schrittweise aufbauen. Besonders, wenn die Distanzen länger werden, sei es wichtig, dass der Hund bereits gut austrainiert ist, so Gerd Leder. „Die meisten Haushunde haben nicht unbedingt Idealgewicht, sondern ein bisschen zu viel auf den Rippen. Da sie nicht schwitzen können, besteht da schon ein gewisses Risiko, wenn so ein Hund an seine Leistungsgrenze geht. Deshalb das Gewicht und das generelle Wohlbefinden auf jeden Fall im Auge behalten.“

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 Photo: Donna Luettjen Photographie

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Im Rassequiz mit Gerd Leder wird wohl jeder auch noch so ambitionierte Hundefreund das Nachsehen haben. Als ehemaliger Mitarbeiter des verstorbenen Biologen und Forschers Dr. Erik Ziemen hat Gerd sich ein enormes Wissen über Hunderassen und deren Eigenschaften drauf geschaufelt. Dieses Wissen stoppt nicht an der Rute des Hundes, sondern breitet sich aus, bezieht seinen Lebensraum, Traditionen der dort lebenden Menschen und auch klimatische Voraussetzungen mit ein. Selbst ein Gespräch zwischen Tür und Angel hallt nach, von einem Vortrag oder Seminar ganz zu schweigen.

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Seit 2000 betreibt Gerd Leder seine Hundeschule im Süden der Republik in Laupheim. Darüber hinaus ist er auf vielen Seminaren, Vortragsreihen und Symposien quer durch das Land zu erleben. Und richtig gut kochen kann er auch noch.

Kontakt

Hundeschule Leder
Ritter-Burkhard-Str. 1/2
88471 Laupheim

Telefon: +49 160 28 55 507
Festnetz: +49 7392 / 928 941 4
E-Mail: hundeschuleleder@yahoo.de

facebook: https://www.facebook.com/gerd.leder.1

Melanie Knies2 Comments