Vierbeiner in der Muckibude - Neues aus dem Kraftraum #8

Kraft- und Koordinationstraining für Hunde

Wir laufen und rennen mit unseren Hunden und machen jede Gegend mit ihnen unsicher. Unsere Hunde gehen mit uns zum Canicross und Bike-Jöring, zum Ski-Jöring und DogScooting, zum Schwimmen, Fahrrad fahren, Joggen. Doch jedes Ausdauertraining braucht einen Ausgleich: das Krafttraining.

Zum Krafttraining beim Hund gehören zum Einen Halte-, Spannungs- (isometrische) und Bewegungsübungen zur Stärkung der Muskeln und Verbesserung der Beweglichkeit der Gelenke und des gesamten Körpers. Kräftige Muskeln sorgen für Stabilität und schützen die Gelenke und die Wirbelsäule. Kraft ist auch nötig, um schnell beschleunigen und eine hohe Geschwindigkeit während des Rennens und Springens aufrechterhalten zu können. Bewegliche Gelenke sind gesunde Gelenke. Bänder bleiben straff, Knorpel bleibt belastbar.

Zum Anderen gehört zum Krafttraining das Koordinationstraining, also Übungen für ein besseres Körpergefühl. Eine gut geschulte Koordination schützt vor Verletzungen, da das Tier sich bewusster bewegt und sich zum Beispiel im Falle eines Sturzes besser abfangen kann.

Sollte es doch einmal passieren, dass der Hund sich verletzt, er einen Unfall oder eine Erkrankung erleidet, kann ein gut trainierter Hundekörper dies oftmals besser wegstecken und erholt sich schneller als eine gemütliche Couch Potato.

Weiterhin werden Glückshormone freigesetzt, die (unangenehme) Flausen im Hundekopf verjagen können. Kein (selbst)zerstörerisches Verhalten, wie wiederholtes Lecken oder Knabbern an den Pfoten oder das Kauen am gerade teuer ersteigerten handgeknüpften Perserteppich, wird an den Tag gelegt. Auch das Stuhlbein bleibt unversehrt.

Jegliche regelmäßige und gezielte Bewegung lohnt sich also in jedem Fall.

Wie? Wann? Wie oft? Wie lange?

Keine einfachen Fragen, denn jeder Hund ist individuell zu betrachten. Im Allgemeinen empfehle ich, ein Krafttraining zweimal wöchentlich zu absolvieren.

Intensive Trainingseinheiten mit hoher Konzentration und ohne Pause müssen kurz gehalten werden (15 bis 20 Minuten - auf Ermüdungsanzeichen achten!). Die meisten Hunde lassen sich jedoch besser mit vielen kurzen Spiel- und Ruhepausen trainieren. Da kann eine Trainingseinheit ruhig auch länger dauern. Es gilt, die Dauer und Intensität der Trainingseinheiten nur langsam zu steigern und sie abwechslungsreich zu gestalten, damit immer wieder andere Muskelgruppen gekräftigt werden.

Der große Trick beim Kraft- und Koordinationstraining lautet: LANGSAM!

Es geht hierbei alles andere um „höher, schneller, weiter“. Je langsamer die einzelnen Übungen ausgeführt werden, umso effektiver ist die Kräftigung.

Es gibt zahlreiche Kraft- und Gleichgewichtsübungen. Im Folgenden stelle ich 3 Übungen zum Nachmachen vor:

Pfotenhebe-Übung

jede Pfote einzeln nacheinander vom Boden abheben und 3 - 5 Sekunden halten (ausbaufähig bis zu 15 Sekunden). Diese Halteübung ist kräftigend für den ganzen Körper.

1 - 2x täglich 2 bis 3 mal pro Bein

Camp Canis Kraftraum

Bewegungsübergänge auf wackeligem Untergrund

Sitz-Steh-Übungen oder Sitz-Platz-Übungen beugen und strecken die Gelenke. Das langsame (!) Hochdrücken bewirkt eine Muskelkräftigung. Der wackelige Untergrund verstärkt den Effekt. Achte auf die korrekte Ausführung von Sitz oder Platz.

1 - 2x täglich 10 bis 20 mal

Camp Canis Kraftraum

Häschen und hoch

eine gute Übung für Rücken, Kruppenmuskulatur und Hintergliedmaßen. Dies ist eine sehr anspruchsvolle Übung, da der Hund sich enorm ausbalancieren muss. Lasse deinen Vierbeiner anfangs nicht zu lange stehen, sondern erweitere die Zeitdauer nur Schritt für Schritt.

Camp Canis Kraftraum

Auch die bereits erwähnten Spannungsübungen sorgen für eine gute Muskelkräftigung. Diese Übungen zeichnen sich durch eine hohe Gelenkschonung aus. Hierbei wird am stehenden oder teilweise auch sitzenden oder liegenden Hund an Schulter, Hüfte, in der Kniekehle oder anderen Körperteilen mit der flachen Hand ein aufbauender Druck gegeben, so dass der Vierbeiner sich anstrengen muss, um dagegen zu halten. Langsam wird der Druck nach mindestens 6 Sekunden wieder gelöst. Ein paar Wiederholungen runden dieses Training ab. Aber auch hier gilt es, nicht zu übertreiben, denn diese Übungen sehen einfach aus, sind aber höchst anstrengend für unsere Lieblinge. Richtig dosiert, haben diese Spannungs- oder isometrischen Übungen zusätzlich für den Kopf und Geist einen entspannenden Effekt.

Ebenso gehören Übungen, wie bergauf gehen ohne oder mit einem Gegenstand im Maul zum Kraft- und Koordinationstraining. Darüber hinaus eignen sich viele Agility-Geräte hervorragend zum Muckitraining, wenn alle Übungen auch hier LANGSAM und BEWUSST ausgeführt werden.

Für Übungshungrige biete ich passend zu diesem Artikel in meiner Praxis in Berlin einen Kurs (Power & Balance) an:

https://www.facebook.com/events/1519420314761031/

https://www.rundogs.de/kurse/

Eine Buchempfehlung von mir persönlich: Gymnastricks - Carmen Mayer - Kynos Verlag

FAZIT

2x wöchentlich Ausdauertraining

2x wöchentlich abwechslungsreiches Kraft- / Koordinationstraining

vorher Aufwärmen! Hinterher Auslaufen und Stretching!

Regelmäßiges Training bringt deinem Vierbeiner viel Freude und einen kräftigen, gesunden Hundekörper, der vor Verletzungen geschützt ist und sich bei Erkrankungen schneller erholen kann. Da kann das nächste Camp Canis ruhig kommen…

Sport frei!

Melanie KniesComment