Warm Up & Cool Down für den Vierbeiner

Haustür auf und los geht’s: rennen, toben, Fahrrad fahren, bergauf, bergab, Hürden springen, Tunnellauf.

So bitte nicht!

Für den Körper, sei es Hund oder Mensch, kann solch ein Kaltstart bittere Folgen haben und birgt ein hohes Verletzungsrisiko. Muskelkater wäre noch das kleinere Übel. Mit einer Zerrung fällt der Hund erstmal wenigstens für eine Woche aus. Schlimmer geht immer!

Herz-Kreislauf, Stoffwechsel, Muskeln, Sehnen, Bänder, Gelenke, Nerven und auch der Geist müssen auf die bevorstehende Anstrengung gut vorbereitet werden, damit der Puls nicht plötzlich in die Höhe schießt, das Herz sich „einarbeitet“, der Bewegungsapparat gut durchblutet, elastisch und abfedernd und die Konzentrationsfähigkeit gestärkt wird. Viele Hundebesitzer und leider auch zu viele Hundeschulen und Hundesportvereine lassen dieses wichtige Element einfach außer Acht: Das Aufwärmen oder Warm Up. Dabei ist es so einfach und beansprucht je nach Sportart und Außentemperatur nur etwa 5 bis 15 Minuten! Und außerdem lohnt es sich auch noch, denn der Körper wird leistungsfähiger und ist vor Verletzungen geschützt.

Das Aufwärmen startet mit einer allgemeinen Phase und geht über in eine gezielte Phase, in der der Körper für die jeweilige Sportart ins Schwitzen gebracht wird. Insgesamt soll das Warm Up locker sein und darf den Hund nicht überanstrengen.

Fünf einfache Warm Up-Übungen, die jeder Mensch mit seinem Hund schafft:

1.    Du beginnst immer mit Tempowechseln. Zuerst gehen im langsamen Schritt, dann schneller Schritt, dann wird getrabt, zurück in den schnelleren Schritt, wieder traben usw. Der Wechsel erfolgt immer in ca. 30 Sekunden-Abständen. Man läuft gerade Strecken, aber auch Wendungen, Winkel und Bögen. In dieser Phase wird nicht galoppiert!

2.    Transfers Sitz - Steh - Sitz: 5 bis 10 Wiederholungen | Transfers Platz - Steh - Platz: 5 bis 10 Wiederholungen

Camp Canis Kraftraum

3.    Pfoten geben: aus dem Sitz, aber - wenn möglich - auch aus dem Stand, was schwieriger für den Hund ist. 5 bis 10 Wiederholungen, natürlich immer Seitenwechsel!

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4.    Aktive Dehnung der Halswirbelsäule: Den Kopf mit einem Keks nach links und rechts führen, dann nach oben und unten. Langsam! Etwa 5x in alle Richtungen.

Camp Canis HWS Dehnung

5.    Aktive Dehnung des Rückens: Ein Keks geht voran und führt den Vierbeiner in die Drehung um sich selbst. Dabei mit großen Kreisen beginnen und immer kleiner werden. Langsam und etwa 5 bis 10x in beide Richtungen!

Bei allen aufwärmenden Übungen gilt: je langsamer sie ausgeführt werden, desto effektiver!

In der letzten Aufwärmphase wird die eigentliche bevorstehende Belastung geübt, aber locker und weniger intensiv. Hier darf ein Camp Canis-Hund zum Beispiel ein wenig galoppieren und sprinten, kleine Hüpfer vollführen, Achten laufen und schon leichtes „Gepäck“ ziehen. Wenn vorhanden, kann gern auch über verschiedene Untergründe, wie z. B. Gras, Asphalt, Schotter, Sand gegangen werden. Das regt die eigene Körperwahrnehmung an und trainiert für den Lauf über unwegsames Gelände. Beim Agilityhund kann diese Phase einen Lauf über niedrige Hürden oder kleine Sprünge, Übungen von Wendungen oder Bremsmanövern beinhalten. Beim Schutzhundesport muss besonders die Halswirbelsäule aufgewärmt werden.

Beachte auch, dass dein Hund nicht nur zu Beginn der Anstrengung aufgewärmt werden muss, sondern auch zwischen den Trainingsläufen. Hunde kühlen schneller ab als der Mensch. Bereits nach ca. 5 Minuten Ruhepause ist der Körper wieder abgekühlt! Außerdem solltest du nicht vergessen, deinen Hund vor dem Training zu wässern, sprich, ihm ein Getränk anzubieten. Wenn er von Wasser pur nicht besonders begeistert ist, dann kannst du ihn mit dem Einrühren von Leberwurst oder ähnlich Leckerem sicherlich vom Trinkgen überzeugen.

Nach jeder großen Anstrengung darf das Cool Down, das Abwärmen oder Auslaufen, nicht fehlen. Durch die Belastung und dadurch Mehrdurchblutung kann es sein, dass bei plötzlicher Beendigung des Trainings mit schnellem Pulsabfall das Blut in der Muskulatur versackt. Folgen können üble Kreislaufprobleme sein. Daher ist es wichtig, den Hund einige Minuten locker auslaufen zu lassen, zunächst im Trab, dann im Schritt. Und auch nach dem Training solltest du darauf achten, dass dein Hund ausgiebig trinkt.

Wenn du mit deinem Hund bei Minustemperaturen trainiert hast und hast vielleicht noch einen Nachhauseweg im ausgekühlten Auto vor dir, macht es durchaus Sinn, ihm eine Decke überzulegen oder einen Mantel anzuziehen. Gerade Hunde, die in der Wohnung gehalten werden, verfügen oft nicht über solch eine dichte Unterwolle wie Hunde, die ausnahmslos draußen gehalten werden.

Und was kommt danach, wenn ihr wieder zu Hause seid? Ruhe, Ruhe, Ruhe.

Faustregel: auf einen Tag Belastung sollte ein Tag Pause folgen. Demzufolge nach zwei Tagen Belastung zwei Tage Pause.

Im nächsten Artikel: Noch mehr Übungen zum Warmwerden.

Melanie KniesComment