Camp Canis Kraftraum #2 - Schuhe verändern dein Leben. Frag Cinderella.

Schuhe verändern dein Leben. Frag Cinderella.

Oder deinen Orthopäden.

Unsere Füße tragen uns über Asphalt, Waldboden, Wurzeln, durch Pfützen, Matschlöcher und Bachläufe. Und nur, weil sie am Ende unseres Körpers stehen und die Aufmerksamkeit auf dem Weg vom Kopf bis zu ihnen hinunter durch Brüste, Hüften, Cellulitis oder einen knackigen Po abgelenkt wird, ist das noch kein Grund, ihnen nicht den gebührenden Respekt zu zollen. Und das machen wir heute, indem wir uns in diesem Artikel um die richtige Bekleidung für den Fuß kümmern. Und zwar für den sportlichen Fuß. Um alles andere kümmert sich Zalando.

Wir möchten vorwegschicken, dass dieser Artikel nicht den Anspruch erhebt und erheben kann, eine Beratung von einem Profi zu ersetzen. Es geht nichts über den Weg in einen möglichst breit aufgestellten Laufschuhladen mit willigem Fachpersonal. Wir möchten hier und heute nur ein paar Begriffe erklären und Unterschiede anreißen, damit das Gespräch mit dem Experten auch verstanden werden kann.

Früher ging man joggen und zwar gerne in den Sportschuhen, die man sonst auch den Tag über getragen hat. Da waren Wörter wie Dämpfung, Sprengung und Neutralschuh genauso unbekannt wie Thermomix, Funktionskleidung und Selfiestick. Harte Zeiten für innov8, Brooks und Asics. Aber die sind ja nun vorbei und es gibt ein so allumfassendes Angebot wie selten zuvor. Den gutgelaunten Läufer, der innerhalb seiner 8 km zwischen Asphalt, Waldboden und Sandpisten wechselt, könnte das Gefühl heimsuchen, seinem Körper irreversiblen Schaden zuzufügen, wenn er nicht beim Wechsel der Bodenbeschaffenheit auch einen Wechsel der Schuhe durchführt – glaubt man manch einer Beschreibung. Aber wie so oft im Leben sind gesunder Menschenverstand kombiniert mit dem Wohlfühlfaktor gute Ratgeber. Was bringt es dir, den nach Testergebnis besten Schuh am Fuß zu tragen, wenn dir selbiger schon beim Anziehen weh tut? Nichts. Genau.

Kriterien, die dich bei der Wahl des richtigen Laufschuhwerks schon ein ganzes Stück weiterbringen, sind folgende:

Größe

Laufschuhe sollten eine, besser sogar zwei Nummer größer gekauft werden, als die Treter für den Alltag. Beim Laufen wird der Fuß größer und beansprucht mehr Platz im Schuh. Damit es nicht zu permanenten Stauchungen kommt, sollte dieser Platz von Anfang an bereitstehen. Ja ja ja, wir hören sie schon, die Damen, die die Hände vor den offenen Mund schlagen, um den Ruf „das sieht aber scheiße aus“ zu unterdrücken und wir rufen ihnen entgegen „STIMMT!“ Vor allem bei der Frau, die von Hause aus schon im 40er Bereich unterwegs ist. Das sieht ziemlich scheiße aus, wenn der Körper in einem langen, rechten Winkel ausklingt. Aber gestauchte Zehen und ein Schongang sehen auch scheiße aus. Und tun darüber hinaus noch weh. Mehr ist dem nicht hinzuzufügen.

Doch. Eins noch. Geh besser nachmittags als morgens Laufschuhe kaufen. Dann sind deine Füße schon etwas mitgenommen, platt vom Tag und ca. 4 % voluminöser als morgens, wenn der Wecker klingelt. Du kannst auch alleine ganz gut testen, ob der Schuh die richtige Größe hat und gleichzeitig im Laden für ein wenig Stimmung sorgen: Stell dich dazu mit deinen angezogenen neuen Laufschuhen gerade hin. Mach nun einen mittleren Ausfallschritt nach vorne. Der hintere Fuß bleibt geknickt auf dem Boden stehen. Drück nun mit dem Daumen auf die Schuhspitze des hinteren Fußes, lächle dabei den Verkäufer an und halte das Gleichgewicht. Ist noch etwas Platz zwischen dem dicken Zeh und der Schuhspitze? Oder stoßen die Zehen schon vorne an? Mindestens einen halben Zentimeter Platz solltest Du auch in der Abrollbewegung des Fußes haben.

Allerdings kommt es nicht nur auf die Länge, sondern auch auf die Weite an. Ist der Schuh im Vorfußbereich breit genug für alle deine Zehen? Fühlt er sich gemütlich und bequem an, ohne dass dein Fuß darin schwimmt?         

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Marke

Der richtige Ansatz wäre, unserer Meinung nach, nicht auf eine Marke fixiert zu sein, sondern offen für alles. Im Profibereich kommt es auch nicht auf die Marke, sondern auf das Modell an. Bei der Funktionalität gibt es Features wie Schnürsenkel-Schnellverschluss, wasserdichtes Gore Tex und cooles Design. Die harten und tragenden Facts sind allerdings Dämpfung, Sprengung und Profil. Kriterien, die von dir aufgestellt werden, um den richtigen Laufschuh zu finden, ergeben sich aus den Antworten der drei Fragen:

-          Wo läufst du?

-          Wie läufst du?

-          Wie oft läufst du?

Art

Es gibt u. a. Lightweight, Stabil-, Dämpfungs-, Gelände- und Barfußschuhe. Wir arbeiten uns mal langsam, aber knackig da durch.

-          Lightweight Schuhe: ach, das hört sich auf Englisch viel professioneller an als in muttersprachlich. Leichte Laufschuhe sind eben genau das: leichte Schuhe. In der Regel wiegen sie um die 300 Gramm. Wenn Ballast abgeworfen werden muss, bedeutet das zwangsweise auch den Verzicht von dem ein oder anderen. Oft ist die Mittelsohle dünner, die Dämpfung deutlich geringer und eine Stützfunktion ist auch auf der Strecke geblieben. Daher wird ein Lightweight-Trainer ein toller Laufschuh für schnelle Trainigseinheiten wie Intervall, Sprint, Steigerungsläufe. Wer aber mehr als 20 km pro Woche trainiert oder an Wettkämpfen teilnimmt, sollte ein weiteres Paar Schuhe im Sortiment haben. Das wird sowieso empfohlen und kommt weiter unten nochmal vor.

-          Stabillaufschuhe sind für Überpronierer. Überpronation ist die am häufigsten auftretende Fußfehlstellung. Der belastete Fuß wird übermäßig eingeknickt, besonders bei der Abrollbewegung. Senk oder Spreizfüße können genauso die Ursache sein, wie ein noch mager ausgestatteter Stützapparat bei Laufanfängern. Ein Stabilschuh wirkt hier unterstützend und greift da ganz ordentlich ein. An der Innenseite eines solchen Schuhs ist eine Pronationsstüze eingebaut, die es in verschieden stark ausgeprägter Form gibt.

-          Dämpfung und Sprengung

Früher war eine exzellente Dämpfung Grund genug, den Preis des Schuhs in exorbitante Höhen zu treiben. Je mehr, desto besser, desto teurer. Davon hat sich die Laufschuhwissenschaft inzwischen verabschiedet. Der Trend hat in voller Fahrt gestoppt, sich umgesehen und umgedreht. Naturlaufen ist heute hip. Das heisst Zero Sprengung, Nix Dämpfung. Sprengung bezeichnet übrigens die Höhendifferenz zwischen Schuhspitze und Absatz und kann bis zu 10 mm sein. Allerdings erhöht das häufige Tragen von „hohen Absätzen“ das Risiko, dass sich die Achillessehnen, Wadenmuskeln oder Streckerketten verkürzen. Und das klingt nicht nur blöd, das ist es auch. Wer bisher hohe Absätze und viel Sprengung am Fuß hatte, sollte langsam umsteigen, damit sich die Muskulatur umgewöhnen kann und nicht überlastet wird.

-          Geländeschuhe

Der große Unterschied zwischen Straßen- und Gelände-, auch Trailschuhe genannt, ist das Profil. Können Straßenschuhe hier nachlässig sein, ist ein gutes Profil im Gelände unverzichtbar. Und bei Gelände reden wir nicht von gut ausgebauten Waldwegen, sondern von den auch bei Camp Canis so beliebten Single-Trails über Stock, Wurzeln und Stein, bergauf, bergab.

Ein Trailschuh braucht Halt und eine abriebfeste Sohle. Dadurch werden sie in der Regel etwas robuster und schwerer. Normalerweise sind sie von Haus aus wasserabweisend und schützen den Fuß länger vor Feuchtigkeit als ein normaler Schuh. Gore Tex macht den Schuh noch etwas „fester“ und Sinn, bei wirklich nassen Läufen. Wer einen flotten Schuh haben möchte, den er auch im Sommer verwenden kann, sollte darauf verzichten.          

Achte beim Kauf solcher Trailschuhe darauf, dass deine Ferse bei normaler Schnürung fest im Schuh bleibt und nicht beim kleinsten Widerstand aus dem Fersenschaft rutschen kann.

Übrigens haben Trailschuhe – zwecks Halt – immer eine Sprengung. Die sollte bei mindestens 3 mm liegen und bei echten Crossläufen zwischen 6 – 9 mm betragen.

-          Barfußschuhe

Es ist schon dezent schizophren, Schuhe zu erfinden, mit denen der Träger barfuß laufen kann. Aber nun gibt es sie, auch im Sportbereich. Zu den Schuhen gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, haben sie doch auch nichts: keine Dämpfung, keine Sprengung, keine Stütze. Ein Barfußschuh hat eine extrem dünne Sohle, unter der du jeden Ast und jeden Stein spürst. Natural running nennt sich das. Klingt in deinen Ohren gut? Dann auf auf. Aber mit Gemach. Ein sofortiger Umstieg von jetzt auf gleich ist nicht ratsam. Unsere verweichlichten Muskeln und Sehnen sind das ganz Natürliche nicht mehr gewohnt.

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Noch ein paar Tipps zum Schluss

Ein guter Laufschuh sollte dich beim Laufen so weit unterstützen, wie du es brauchst: nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Trainierst du fleißig und mehrmals pro Woche, solltest du auch mehr als ein Paar Schuhe im Schrank haben. Als Faustregel gilt: pro Wocheneinheit ein Paar Laufschuhe. Idealerweise nicht alle vom gleichen Hersteller. Deine Füße danken dir für die Abwechslung - die Schuhe auch. So kann sich die Zwischensohle erholen und die Schuhe können gut auslüften und trocknen.

Wechselst du bei deinem Schuhsortiment auch die Fabrikate, forderst du deinen Bewegungsapparat heraus. Das bewahrt dich vor einseitiger Belastung und im besten Falle vor Verletzungen.

Laufschuhe sind unterschiedlich geschnitten. Achte darauf, dass der Kragen der Fersenkappe beim Abstoßen vom Boden nicht an deiner Achillessehne reibt. Das gibt sonst Ärger auf Dauer.

Und ein Laufschuh hält nicht ewig. Je nach Modell, Abnützung, Läufergewicht und Laufuntergrund können sie zwischen 600 und 1000 Laufkilometer halten. Dann sind Dämpfung und Stützsystem unter Umständen nicht mehr optimal. Die Laufschuhe müssen Kräfte bis zum fünffachen deines Körpergewichtes aushalten!

Wenn du bisher einen für dich absolut passenden und komfortablen Laufschuh hattest, dann lass dich von keinem Bericht der Welt davon überzeugen, dass du umsteigen musst. Genieß es einfach, den richtigen Schuh für deinen Fuß gefunden zu haben.

Gute Tipps zum Nachlesen gibt es bei den Schweizern, wenn du diesem Link folgst: https://lauftipps.ch/news/aktuelles-laufsport/themenuebersicht/

Ein Video von den Hummel Brüdern über Schuhe, die im Canicross geeignet sind, für dich geeignet sein könnten, kannst du dir hier anschauen: https://www.youtube.com/watch?v=Px5bAI7ZJUQ&t=7s

Und wenn du mal in Wiesbaden oder bist, dann schau mal hier rein. Es sollte dein Schaden nicht sein:

Hummel-Ausdauershop
Saalgasse 4
65183 Wiesbaden
Tel. 0611 - 36 05 43 41
 
Öffnungszeiten
Montag - Freitag: 11 - 14 Uhr und 15 - 18 Uhr
Samstag: 11 - 16 Uhr

Alles außer Schuhe bei Hummel Bruder II und Simply Outside online hier.

 

 

Melanie KniesComment