Woran erkennt man gutes Hundefutter?

CAMP CANIS Kitchen #1

Kerstin Ehlen, Hundeernährungsberatung

24. September 2017

Kaum ein Thema treibt Hundehalter so sehr um, wie die Suche nach dem besten Futter.

Die Lösung zu finden, scheint hierbei fast unmöglich, denn wo wir auch hinschauen, jeder sagt einem was anderes.

Mal abgesehen davon, dass es mittlerweile kriegsähnliche Zustände annimmt, wenn eine Diskussion um DIE Fütterungsmethode entbrennt, kommt man so gut wie nie zu einem Konsens, der massentauglich ist.

Fernab von der Frage, ob man trocken oder nass füttern sollte, geht es hier und heute darum, wie man aus dem schier unendlich breitgefächerten Angebot für seinen Hund ein gutes Fertigfutter finden kann.

Hierbei hat IMMER oberste Priorität: Der Hund verträgt und mag das Futter – was bringt mir das von der Zusammensetzung her beste Futter, wenn mein Vierbeiner es nicht anrührt oder ständige Verdauungsprobleme davon bekommt?

Kriterien für ein gutes Fertigfutter

1.       Es sollte eine offene Deklaration ausweisen. Offen bedeutet, dass jede Zutat einzeln, bestenfalls mit einer Prozentangabe versehen, aufgeführt ist.

Z.B.: Muskelfleisch vom Kaninchen (32%), Herz vom Kaninchen (3%), Leber vom Kaninchen (3%),..., Apfel (5%), Babyspinat (5%), Babygurken (5%), gelbe Zucchini (5%), Fleischknochenmehl vom Kaninchen (0,2%)

NICHT ABER:

Tierische Nebenerzeugnisse, Getreide, pflanzliche Nebenerzeugnisse, Mineralstoffe…

2.       Die Reihenfolge der Inhaltsstoffe zeigt an, was am meisten vorhanden ist. Sie sollte im besten Fall mit Muskelfleisch (hochwertigen Proteinen) und nicht mit einer Kohlenhydratquelle beginnen. (Zusatz: Gesunde Hunde benötigen nicht zwangsläufig Kohlenhydrate – sie vertragen sie, keine Frage, sie benötigen sie aber nicht, um gesund zu bleiben, erst recht nicht als Hauptbestandteil ihres Futters. Auf die besonderen Bedürfnisse sprintstärkerer Hunde gehe ich in einem der folgenden Artikel ausführlich ein.)

Auch hier wieder entscheidend: ob die Deklaration offen, halboffen oder geschlossen ist. Bei einer halboffenen oder geschlossenen Deklaration kann der Hersteller leider tricksen und durch Zusammenfassungen, z.B. “Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse” die Position nach vorn verschieben. Listet er hingegen Mais, Reis und Weizen einzeln und nicht als “Getreide” auf, können diese Zutaten weiter hinten in der Liste aufgeführt werden.

Beispiele:

a)       Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (40%), Weizen (30%), Mais (20%), Reis (10%)

b)      Besser sieht es aus bei: Rindermuskelfleisch (30%), Reisflocken (20%), Rinderbrustbein (15%) Rinderherzen (5%), Rinderleber (5%), Äpfel (5%), usw.

Lasst Euch auch nicht täuschen durch Bezeichnungen wie “Rind” oder “Kaninchen”, die suggerieren, dass es sich bei dem verwendeten Fleisch ausschließlich um Rind oder Kaninchen handelt. Der Hersteller darf bereits damit werben, wenn sich lediglich 4% Rind (oder Kaninchen oder was auch immer) im Futter befinden. “Besonders reich an…” oder ähnliche Bezeichnungen dürfen bereits ab 14% verwendet werden.

      Als Besitzer eines Allergikers sollte man auf Begriffe wie rein, pur oder ausschließlich achten.

3.       Die einzelnen Zutaten sollten Euch halbwegs vertraut sein, müsst Ihr erst googeln, um zu erfahren, was es ist, dann besser Finger weg. Yucca Shidigera, Mannan-Oligosaccharide oder Frukto-Oligosaccharide beispielsweise sollten nicht künstlich zugesetzt werden – ist das Futter gut zusammengestellt, sind solche oder ähnliche Stoffe mit gleicher Wirkung bereits von Natur aus enthalten und müssen nicht extra aufgeführt werden. Zusatzstoffe müssen vom Hersteller nämlich nur dann aufgeführt werden, wenn dieser sie eben hin-zu-fügt, sind sie in natürlicher Form vorhanden, erscheinen sie nicht in der Zusammensetzung. Solltet Ihr kein Futter ohne Zusatzstoffe finden, dann versucht das zu wählen, welches die wenigsten enthält.

4.       Beim Trockenfutter solltet Ihr über das oben erwähnte hinaus bitte darauf achten, dass “...fleischmehl” verarbeitet und kein “...mehl” (ohne den Wortteil Fleisch) verwendet wurde. Beim “...mehl” (ohne den Zusatz Fleisch), kann ALLES vom Tier enthalten sein, also auch Dinge wie Fell etc. – das muss nicht unbedingt schlecht sein, wir können aber bei der Bezeichnung “...mehl” nicht ersehen, wie viel davon aus Nebenprodukten und wie viel aus guten Komponenten besteht.

5.       Das Futter sollte darüber hinaus als Alleinfutter ausgewiesen sein, nur so ist gewährleistet, dass es alle wichtigen Nährstoffe enthält, die der Hund benötigt.

6.       Es sollten nicht zu viele Kräuter enthalten sein – sehr viele haben eine Heilwirkung, dementsprechend sollten sie nicht dauerhaft verabreicht werden.

7.       Last but not least gilt auch bei der Hundefütterung: Je abwechslungsreicher der Speiseplan, umso ausgewogener die Ernährung. Jedes Futter hat eine andere Zusammensetzung und dementsprechend auch eine andere Nährstoffbilanz. Hat Euer Vierbeiner also keine Vorerkrankungen, wechselt nicht nur die Sorten eines Herstellers, sondern gern auch mal die Hersteller – glücklicherweise gibt es ja mittlerweile genügend Produkte, die den obigen Kriterien entsprechen.

Beim nächsten Mal erfahrt Ihr mehr darüber, wie man Fertigfutter aufpeppen kann und wie man auch Futtermäkler zum Napf zieht!

Melanie Knies