Eine Geschichte des erfolglosen Scheiterns

Die Bretterwand war brusthoch. Brit war die Erste. Sie stützt sich mit Schwung auf die Hände, schwingt das linke Bein über die Wand und - schwupps - ist sie drüben.

"Seid vorsichtig. Oben ist es sauglatt."

Damit war zu rechnen. Muddy halt. Muddy Angel halt.

Brit ist Fitnesstrainerin. Dass sie locker über die Wand kommt, war jetzt keine große Überraschung.

Für uns.

Nicht für Brit.

Sie hat, sie gibt es gerne zu, die gleichen Bedenken wie wir. Ihr leichtes Körpergewicht wird um den Druck, der auf ihren Schultern lastet, erhöht. Jeder erwartet von der Trainerin, dass sie den Parcours mit Links schafft.

Das, was für Brit durch ihr jahrelanges Training zu einem Vorteil wird, ist ein besseres Körpergefühl. Aber allein die Anwesenheit von Muskeln und Sehnen zwingen Angst und Scham noch lange nicht, ihren hartnäckigen Eskort-Service aufzugeben.

 Die Nächste bin ich. Ich versuche, es Brit gleich zu tun. Immer noch in dem Bestreben, auch in der B-Note keine Punkte zu vergeben.

Niedlich eigentlich. Wir alle - von oben bis unten voller Schlamm - sind auf den letzten 3 km diverse Male sehr uncharmant auf dem Hintern gelandet, sahen extrem unelegant aus, als wir aus dem popokalten Wasserbecken auftauchten und dennoch verlangt das Hirn, die Erziehung, die Konditionierung: Stil. Performance. Haltung.

Ich komme ebenfalls über die Bretterwand. Die Hände, die mir dabei helfen, graben sich in Sitzfleisch und Hirn. Und in der hinterletzten Ecke des Egos erhebt ein kläglicher Rest von Wasauchimmer das Stimmchen zu einem mickrigen "Peinlich".

Keine Zeit zum Zuhören. Das Ding mit dem Team wirkt. Roxy, noch auf der anderen Seite der Wand, schlägt die Augen nieder, nimmt die Hände wieder von den Brettern, blickt uns traurig an und sagt: "Das schaff' ich nicht."

Sofort setzt Protest ein. "Ey Roxy" "Natürlich schaffst du das." "Los, Hände drauf hier." "Komm, Roxy."

Stellt man die Bilder auf Zeitlupe, kann man sehen, wie es in Roxy arbeitet. Wie sie die Chancen abwägt, über diese Wand zu kommen. Wie sie sich fragt, was schlimmer ist:

Aufgeben und außen herumlaufen. Den Versuch wagen und scheitern. Den Versuch wagen und siegen.

Ein paar Mal setzt Roxy an. Ein paar Mal setzt Roxy ab.

Dann sind auch an ihrem Hintern Hände am Werkeln. Das Team wird tatkräftig. Vorne zieht's, hinten schiebt's und Roxy schafft es über diese verdammte Bretterwand.  

Das Team jubelt. Roxy weint.

„Bist Du verletzt?“

„Was ist denn los?“

„Alles okay?“

„Hast du dir weh getan?“

Wir Weiber schnattern wie aufgeregte Gänse um Roxy herum.

Roxy grinst die Tränen weg und flüstert erst leise, dann lauter.

„Nee.

Ick hab’s jeschafft.

Ick hab’s echt jeschafft.“

Wenn die Angst scheitert und der Mut überholt.

 ***

Für alle Roxys dieser Welt stehen wir mit unseren Händen bereit: für den Hintern, für die Tränen, für den Applaus.

Camp Canis ist dein Abenteuer mit Erfolgsgarantie. Kein Platz für Verlierer. Entweder siegen alle oder keiner. Gönn es dir. Gönn es deinem Hund.

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Melanie Knies